Hintergrund und Entstehung
Seit 2015 existiert auf dem Dachboden eines Wohngebäudes in der Gießener Nordstadt ein betreuter Stadttaubenschlag nach dem sogenannten Augsburger Modell. Die Initiative für dieses Projekt ging von der Wohnbau GmbH aus, die auf anhaltende Beschwerden über eine zunehmende Taubenpopulation im Wohngebiet reagierte. Frühere Versuche, das Problem z.B. mit Greifvögeln zu lösen, blieben erfolglos.
Als langfristige, tierschutzgerechte Lösung wurde daher ein rund 20 m² großer Dachboden eines Wohnhauses umgebaut und als Taubenschlag eingerichtet. Die Räumlichkeiten wurden gedämmt und eine zusätzliche Zwischenwand zum Schutz der Nachbarschaft vor Geräuschen und Gerüchen eingezogen. 40 Brutnischen und zahlreiche Sitzmöglichkeiten bieten den Tieren einen geschützten Lebensraum. Die Einrichtungskosten und die laufenden Kosten für Unterhalt und Betreuung werden seither von der Wohnbau GmbH getragen.
Zwischen 2015 und 2022 organisierte der Tierschutzverein Gießen und Umgebung e.V. den Schlag, der seit 2020 von Mitgliedern der Stadttaubeninitiative versorgt wird. 2023 hat die Stadttaubeninitiative Mittelhessen e.V. die Organisation übernommen.
Unsere Aufgaben vor Ort
Die Betreuung des Schlags erfolgt ehrenamtlich und mit großem Einsatz:
• Dreimal wöchentlich wird gereinigt, gefüttert und mit frischem Wasser versorgt
• Gelegte Eier werden gegen Gipsattrappen ausgetauscht, um die Population tierschutzgerecht zu kontrollieren. Dabei werden den Tauben regelmäßig Bruterfolge ermöglicht, da Küken die Akzeptanz des Schlag erhöhen
• Eine Statistik wird zur Qualitätskontrolle geführt und regelmäßig ausgewertet
• Der wöchentliche Zeitaufwand liegt bei ca. 3 Stunden plus gelegentlichem Zusatzaufwand für:
• den Kauf des Futters und das Tragen der schweren Säcke auf den Dachboden
• das Einfangen und Unterbringen kranker und verletzter Tiere
Erfolge auf einen Blick – eine Bilanz nach 10 Jahren
Seit Beginn an wurde im Schlag eine Statistik geführt, die zeigt, dass der Nordstadtschlag gut angenommen wurde und seine Versprechen halten kann. Die positiven Auswirkungen auf die Umgebung sind deutlich spürbar:
Bis heute wurden über 1000 Eier gelegt, davon rund 900 erfolgreich ausgetauscht. Die Population im Viertel ist in zehn Jahren um 25 Prozent gesunken – von etwa 200 auf rund 150 Tiere. Gleichzeitig ist die Belastung durch Taubenkot in der Nachbarschaft spürbar zurückgegangen, ebenso wie die Zahl der Beschwerden. Und: Die Gesundheit der Tiere hat sich deutlich verbessert.
Das ist Tierschutz, der nachweislich wirkt – und der gleichzeitig auch den Anliegen der Stadtbevölkerung gerecht wird! Der Nordstadtschlag zeigt eindrucksvoll, dass städtisches Leben und Tierschutz miteinander in Einklang gebracht werden können.